All dies kümmert mich nicht mehr

I dachte, wenn ich erst einmal alle Antworten auf die großen Fragen habe, die Frage nach dem warum ich hier bin und worum es im Leben geht, habe ich alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Ich dachte, wenn ich ‚erleuchtet‘ bin, gibt es nichts mehr zu tun. Ich dachte, wenn der Fragende loslässt und sich öffnet, gibt es nichts mehr zu tun.

Ich irrte.

Obwohl ich nicht mehr damit identifiziert bin der Tuende zu sein, hat das Leben nun, wo ich weiss wer ich bin, auf magische Art und Weise erst begonnen, und nicht geendet.

Habe ich zuvor geschlafen?

Ich erinnere mich an einen Traum, und in diesem Traum, manchmal, in der Meditation oder im Schlaf, wachte ich auf.
Kurz nur.
Es dauerte nie lange bis ich wieder vergaß, wieder vergaß, das ich in einem Traum war.

Ich nahm Zuflucht in diese Momente der Klarheit und Wachheit, das Feuer des Nicht-Vergessens hütend, badend in der Liebe der reinen Bewusstheit, des ‚Ich bin‘, unzertrennlich, urteilslos.
Durch Erfahrung begann ich bewusst zu werden, dass dieser Zustand nicht dauerhaft ist, dass ich wieder vergessen werde. Das ich, wenn ich den Bewusstseinszustand wechseln werde, auch all meine frühere Bewusstheit und Klarheit und damit verbundenen Erfahrungen vergessen werde. Nichts als eine wager nebliger Traum würde verbleiben, und ich würde mich nur daran erinnern, das da etwas wichtiges zu Erinnern war, mehr nicht.

Nach einer Weile des Vergessens, Erinnerns, Vergessens und wieder Erinnerns, und so fort, begann Furcht mein Herz zu ergreifen, sobald ich die Schleier des Vergessens wieder über mich schließen fühlte, und aus den Tiefen meiner Seele schrie ich aus vollen Lungen, „Nein, Ich will nicht mehr in die Dunkelheit dieser rauen Welt zurück, Ich will nicht mehr ertrinken, Ich will das alles nicht mehr vergessen.“ Und so hat es sich für mich immer angefühlt, meine Heimat vergessen war wie das Ertrinken in einer dunklen, stürmischen und donnernden See, wie eine Todeserfahrung, immer wieder und wieder und wieder.

Das Sterben zu lernen war eine raue Erfahrung für mich in diesem Leben. Es hat mich sehr viel Zeit gekostet meine Angst zu überkommen und das Sterben zu akzeptieren, das Vergessen zu akzeptieren, die Dunkelheit dieser kantigen Welt und seine Beschränkungen in Zeit und Raum, die sich niemals richtig anfühlten.

Der Fragende öffnete sich und stimmte seiner Auflösung zu.

Als dieser Prozess began vor ein paar Jahren, als ich began mich in diesem Vorgang des Vergessens zu entspannen, mich dem hingab, und nicht nur hingab, sonder es mit Liebe umarmte, began ich zu begreifen… Nein, „begreifen“ ist nicht das richtige Wort, Ich wurde „gewahr“. Ich wurde einer „Präsenz“ gewahr, ja, das ist das richtige Wort, ich wurde einer Präsenz gewahr. Ich nenne es gerne meine Seele, eine sanfte Bewusstheit von allem was ist, genau jener liebenden Bewusstheit zu welcher ich so oft erwacht bin in meinem zuvor geträumten Leben, nur das es nun überall hindurch blitzte.
Den Tod uns das Vergessen akzeptierend, erwachte ich zu beidem, Teil des Traums zu sein, und bewusst zu sein, das ich der Träumer bin.

Ich sehe nun, das erst jetzt ein wahrhaft selbst bestimmtes Leben möglich ist, ein Leben das nicht durch automatische Reflexe vergangener Konditionierungen bestimmt ist.

Und nun, was tun?

Es macht keinen Unterschied mehr für mich ob ich etwas tue oder nicht, ob ich meditiere oder nicht. Die Grenzen verschwimmen zwischen beiden, das eine durchdringt das andere. Die stille Bewusstheit die ich zu Anfang nur in der Meditation erfahren hatte, erwartet mich nun überall, selbst an den unmöglichsten Orten, wie, wenn ich den Kühlschrank öffne, plötzlich diese intensive Präsenz von Bewusstheit. Oder, während ich die Nachrichten lese oder meine Arbeit im Büro erledige. Es sickert wie in einem Sieb durch alle Löcher und tränkt mich überall.
Das Lustige ist, das es immer so war. Es ist ein großes befreiendes Lachen wenn du dir das erste Mal dessen gewahr wirst. Es ist immer so gewesen. Es war nur so: Einst gab es eine Person welche die Erfahrung der Trennung machte. Sein Wollen und seine Furcht, erzeugte eine Blase um ihn herum, in welcher er die Erfahrung dieser Welt machte, die Erfahrung eine getrennte Entität zu sein. Und diese Trennung machte es möglich Liebe und Furcht zu erfahren. Nur durch die Erfahrung der Furcht vor Trennung, beginnt man die Liebeserfahrung in Einheit zu würdigen.

Nun kann ich endlich ein Leben führen, welches durch die stille Stimme in meinen Herzen bestimmt wird. Ich erkenne die immense Freiheit die ich habe und ich fühle mich verloren in diesen unendlichen Räumen. Was soll ich nun tun? Welche Ziele erreichen? Wohin gehen?

Diese Fragen können nicht beantwortet werden, wenn man in die Unendlichkeit schaut. Aber hier in meinem Leben, hier in diesem Moment, an diesem klaren sonnigen Tag, gibt es eine Antwort, und nur genau eine in jedem gegebenen Augenblick. Jeder Augenblick ist der Moment eine Entscheidung zu treffen, die Entscheidung der Stimme der Stille in dir zu folgen, oder der schrillen Stimme der Welt, die versucht dich von Ihrer Wichtigkeit zu überzeugen.

Obwohl all dies letztendlich nutzlos ist zu fragen, vom Standpunkt aus betrachtet, das man von nichts getrennt ist, hat meine Seele doch eine Motivation, eine Art von Vision warum sie hierhin gekommen ist.
In der Vergangenheit habe ich durch Konsum gelebt, Erfahrungen und Wissen konsumierend. Immer auf das Aussen hörend, selbst wen es Lehrer der Weisheit waren, die von der Wichtigkeit der inneren Welt sprachen.

Nun ist es anders, ich beginne auf das Innere zu hören und der Stimme Ausdruck zu verleihen, sich ausdrückend und singend über die Erfahrungen die sie gemacht hat, singend über Liebe und Furcht, über Trennung und Liebe.

All dies passiert nun, und ich habe dies in einem Moment großer Klarheit aufgeschrieben. Es gibt keine Garantie das es so bleibt,

aber, all dies kümmert mich nicht mehr.

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About Bhusunda

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